Camper FAQ

[ Camper - die häufigsten fragen ]

Woher kommt der Strom? Wie ist das mit der Klimaanlage und musst du nachts frieren? 

 

Der Roadtrip im Camper unterscheide sich von einer Reise mit Mietwagen und Hotel doch deutlich. Für viele ist ein RV-Trip der erste "Nahkontakt" mit dem Camper-Leben. Und in einigen Punkten unterscheidet es sich auch von den europäischen Gepflogenheiten. Aber keine Bange, grundsätzlich ist alles einfach, kein Problem und etwas was jeder hinbekommt. 


[ fragen & antworten ]

Wo kommt der Strom her?

Der RV hat eine 110V und eine 12V Stromanlage, die entweder im Eigenbetrieb oder mit Landanschluss laufen. Landanschluss heißt, auf einem Campingplatz wird der RV mit einem Kabel an das normale Stromnetz angeschlossen. Im Eigenbetrieb braucht es für 110V den Generator. Für mich hat es sich bewährt, eine große Powerbank als zusätzliche Stromquelle dabei zu haben. Nicht nur, damit ich das Handy am Bett laden kann. Tagsüber beim fahren kann ich die denn immer wieder bequem aufladen. Klimaanlage und Mikrowelle (ja der RV hat auch eine Mikrowelle) funktionieren nur mit 110V. 

Wie ist es mit dem Heizen?

Ok, die Klimaanlage geht nur mit 110V - aber sie kann auch warme Luft. Abgesehen davon gibt es eine LPG (Propan) Standheizung. Diese lässt sich über einen kleinen Thermostat einregeln. Auf Vollast (d.h. volle Pulle) sollte die Heizung aber nicht länger als ca. 2h am Stück laufen. Der Grund ist nicht das LPG-System, sondern der Lüfter, der die warme Luft im Camper verteilt. Der verbraucht Strom und der ist ohne Generator oder Landanschluss irgendwann aus. Zusammengerechnet habe ich bestimmt jeden Tag 3-4h geheizt. Null Problemo!


es werde licht?

Alle Lampen und Lichter im Innenraum funktionieren mit 110V und 12V und sind wirklich sehr sparsam. Auch wenn die Nächte im Herbst schon recht lang waren, hab ich den 50% Akku-Füllstand nie unterschritten. Für die dunklen Momente empfiehlt sich aber dennoch eine kleine Taschenlampe. 

Was ist, wenn im Nichts doch der Strom aus ist?

Die Standheizung auf “max” gedreht und ausversehen eingeschlafen - vier Stunden später in den Tropen aufgewacht. Es kann theoretisch immer passieren, dass die 12V-Verbraucherbatterie irgendwann leer ist. Dann helfen zwei Dinge: 1. Generator anschmeißen oder 2. Auto starten. Für das große “Upsi” gibt es eine Notstart-Batterie. Mit einem kleinen Schalter wird diese Jump-Funktion geschaltet und das Auto kann gestartet werden. Also eigentlich kann dir der Strom nicht ausgehen. 

Heiße Dusche?!

Oh ja! Ich habe in meinem Leben schon zu oft und zu viel gefroren. Jetzt bin ich überzeugter Warmduscher. Der Boiler fasst 23 Liter. Über einen Schalter am Control-Panel werden diese mit LPG Bockwurst-Brüh-Temperatur gebracht. Gute 15 Minuten würde ich schätzen. Das Wasser ist dann so heiß, dass ich beim Duschen kaltes hinzumischen musste. Mit der sparsamen Brause können so zwei Personen nacheinander heiß duschen. 


Wo wird geschlafen?

5 Schlafplätze - 2 im Alkoven, 2 im Bett hinten und 1 auf dem abgesenkten Esstisch. Der für mich ausschlaggebende Grund für einen RV in der Größe sind tatsächlich die Schlafplätze, auch wenn das auf den ersten Blick etwas überdimensioniert wirken mag. Schlafen im Alkoven kommt für mich nicht in Frage. Zum einen komme ich mit meinen alten Knochen (oder meiner Behinderung - das könnt ihr euch aussuchen) nicht so super da oben rein. Zum anderen wird es im Herbst durch den Luftstrom zwischen Fahrerkabine und Alkoven da schon recht frisch von unten. Und glaubt mal nicht, dass ich Lust habe, jeden Tag mehrfach den Essplatz in einen Schlafplatz zu verwandeln. Der 25-Fuß-RV hat aber zum Glück ein richtiges Bett hinten. Nahezu Queen-Größe - perfekt.     

 


Wie ist die Küche?

Im 25-Fuß-RV ist ein 3-Flammen-Kocher verbaut. Töpfe, Teller, Besteck und Kochutensilien (Schneidebrett, scharfe Messer etc.) sind dabei! Der Kühlschrank ist in etwa so groß wie meiner zu Hause - das sollte reichen. Ebenso das Gefrierfach. Mit den außerordentlich guten Kühl- und Gefriermöglichkeiten habe ich immer ein paar Tupperdosen und Gefrierbeutel dabei. So muss ich nicht drei Tage hintereinander das gleiche essen… 

 

Während der Herd nur mit Gas funktioniert, wählt der Kühlschrank automatisch die Betriebsart, schaltet also bei Landanschluß auf Strom um (und auch wieder zurück).

 

gibt es fließend Wasser?

Frisch ist sicherlich relativ, wenn das Wasser aus einem großen Tank kommt. Zum Kochen und Trinken würde ich immer auf Wasser aus der Flasche zurückgreifen. Abwaschen, Duschen, Händewaschen sind mit dem Wasser aus dem Tank kein Problem. Über eine Wasserpumpe (12V und 110V) plätschert das Wasser aus dem Hahn, wie gewohnt.

öhm, Klo?

Gibt es, funktioniert und spült mit Frischwasser. Besonders wenn man nicht alleine unterwegs ist, empfiehlt es sich, die Wasserpumpe einzuschalten, bevor es ernst wird. Sonst wird's ernst. Es gibt übrigens eigens Toilettenpapier für Camping-Toiletten. Besonders dünn und leicht zersetzlich. Es fühlt sich ein bisschen so an, wie Toilettenpapier beim Bund. Oder Schmirgelpapier. Aber du wirst es überleben. Normales Papier kann übrigens nicht nur etwas verstopfen, sondern wickelt sich im Tank auch um den Schwimmer und gaukelt dir täglich vor, der Tank ist voll. Das weiß ich natürlich nur vom Hörensagen! 


wo geht das dreckige Wasser hin?

Wie auch auf Schiffen unterscheidet man im Camper zwischen Grau- und Schwarzwasser. Schwarz ist die Toilette, Grau alles andere. Die Tanks sind anders als in Europa üblich fest verbaut. Bei 90 Litern pro Tank ist das aber auch eine solide Wahl… Herausnehmbare Kassetten wären doch zu unhandlich. Wie kommt das Abwasser nun raus? Nunja - über einen dicken Schlauch, wie sie früher am Wäschetrockner waren. An sogenannten Dump- oder Sani-Stations schnappst du dir todesmutig den Schlauch (der netterweise außen am Fahrzeug verstaut wird) und schließt ihn am RV an. Das andere Ende wird in eine Art Tankstutzen im Boden gelegt. Dann öffnest du nacheinander erst den Schieber für das Schwarzwasser, dann Grau. So spült das Grauwasser gleich den Schlauch einmal durch. 

 

Es gibt immer auch einen Wasserhahn, damit du zum Schluss einmal frisches Wasser durchlaufen lassen kannst. Außerdem kannst du mit dem Wasser deinen Wassertank auffüllen. Pro-Tip: Latex-Handschuhe werden einreißen - mit Sicherheit! Nimm dicke Putzhandschuhe mit. Oftmals liegt ein großer Stein neben dem Tankstutzen am Boden. Lege den nahe der Öffnung auf den Schlauch. Und falls da kein Stein ist (und du auch keinen in der Nähe finden kannst), stell dich etwas auf den Schlauch. Du wirst nicht glauben, mit wie viel Wumms das Abwasser aus den Tanks schießt. Und jetzt stell dir mal einen wildgewordenen Gartenschlauch vor, nur mit…. naja.     

 

Und der letzte Tipp ist: schließe beide Schieber wieder fest, wenn du durch bist. 

was ist bei einer panne?

Tatsächlich habe ich dieses Bild nicht gestellt, sondern hatte eine ganz klassische Reifenpanne. Mitten im Nichts, zwischen Ogden und Logan hat mich der Reifendruck-Warner des Autos auf den Druckverlust aufmerksam gemacht. Die gute Nachricht zuerst: Cruise America hat eine erstklassigen Roadside Assistance. Egal was für ein Problem du hast, du rufst bei einer kostenlosen Nummer an, gibst deine Mietvertragsnummer durch und dir wird geholfen. In eminem Fall wurde ein lokaler Reifendienst losgeschickt, der den Reifen getauscht hat. Keine 2 Stunden nach dem Anruf war ich wieder fahrbereit!  Der vergleichsweise schwierige Teil daran: Im Idealfall hast du Handyempfang. Ich hab einen AT&T-Vertrag mit relativ guter Abdeckung im Südwesten. Dennoch musste ich noch ein paar Kilomter weiter in die Zivilisation fahren, bevor ich Empfang hatte.  Eine Ranger-Station, ein Haus am Straßenrand - im Zweifelsfall sind die Amerikaner sehr Hilfsbereit und lassen dich sicher Telefonieren. Aber beim Campen "etwas abseits" wäre mein Ratschlag auf jeden Fall eine geeignte Sim-Karte zum Telefonieren zu haben.  

Zur Standardausstattung ehört auch ein Ersatzrad. Einen Wagenheber suchst du allerdings vergeblich. Das ist auch Absicht, denn der Radwechsel ist an dem Gefährt eher etwas für Geübte. Durch die Zwillingsreifen hinten und die eher LKW-ähnlichen Gegebenheiten wäre das auch ein ziemliches Geaste. Aber das Reserverad hat einen rriesigen Vorteil: Im Fall der Fälle muss kein Pannendienst, egal wo du liegen geblieben bist, erst den passenden Reifen bestellen. 


was ist ein hook up?

Full hookup, partial hookup oder no hookup beschreibt mit welchen Services ein Camping- oder Stellplatz daher kommt. No hookup ist am einfachsten erklärt: Du bekommst eine zugewiesene Fläche, auf der du stehen kannst. Bei dem partial hookup gibt es zusätzlich einen Landstromanschluss und je nach Platz zusätzlich eine Anbindung an die externe Wasserversorgung. Beim full hookup Platz kommt dann noch ein Abwasseranschluss dazu. Hier bleiben dann beide Abwasserschieber auf offen.  

Campingplatz, stellplatz oder dispersed camping?

Nun ja, die Wahl des Übernachtungsplatzes muss am Ende jeder für sich entscheiden. Für mich ist der Grund, einen Camper zu wählen, dass ich abseits der ausgetretenen Pfade schlafen kann. Im Idealfall mitten in der Natur! Wann immer ich kann entscheide ich mich also für das dispersed camping. Diese Art der Übernachtung bezeichnet das bloße Abstellen des Campers an einer geeigneten Stelle - mach dir deinen eigenen Campingplatz. Auch früher scheion in Deutschland oder Europa waren mir mit meinem VW-Bus richtige Campingplätze oft ein Graus. Animationen, Pools, Restaurants und landschaftlich penibel gepflegte Rasen... nicht meins. Falls mir der Sinn danach steht, würde ich in ein Hotel oder Resort gehen. In den USA bieten viele State Parks (und ähnliche Schutzgebiete) eigene Campgrounds an. In unserem Verständnis sind das oftmals "nur" Stellplätze (also no hookups). Für einen Betrag zwischen 5 und 30 USD pro Nacht kann man hier oftmals sehr nah an wunderschöner Natur schlafen ohen auf die "Annehmlichkeit" eines Klohäuschens zu verzichten.  Toiletten sind nämlich meistens die einzige Infrastruktur, die bereitgestellt wird (wobei die Toiletten wie in Parks üblich oft Plumpsklos sind). Mit dem eigenen WC dabei ist das aber igentlich egal...

geht dispersed camping überall?

Die Antwort ist ganz klar: Nein! Und überhaupt: Ich liebe diese Art des Campens mitten in der ünberührten Natur. ABER: Diese Art des Campens kommt mit einer großen Schippe Verantwortung! Leave no Trave - nichts - gar nichts! Es gibt keine Mülleimer, keine Toilettenhäuschen etc. Du musst also darauf eingestellt sein, dich komplett selbst zu versorgen und auch alles wieder zurückzubauen und mitzunehmen. Eventuelle Feuerstellen wieder verschießen und so weiter. Im Idelafall sieht es wenn du fährst wieder genau so aus, wie es aussah, als du gekommen bist. Vor ein paar Nächten in der Natur sollten also dein LPG und Wassertank voll sein, der Abwassertank leer. 

Wo dispersed camping in welchem Umfang erlaubt ist, ist unterschiedlich. Grundsätzlich gilt: auf allen "public lands" ist es erlaubt, wenn nicht verboten. State und National Parks sind im Regelfall verboten, National Forest meist erlaubt. Oft gibt es dort dann zusätzliche "Bedingungen", die dein auserwählter Stellplatz erfüllen muss. Das ist denn so etwas, wie: x-Meter entfernt von Frischwasserquellen und x-Meter entfernt von allen Durchgangsstraßen.

 

Ob und in welchem Umfang Feuer erlaubt sind, ist logischerweise zusätzlich von der aktuellen Waldbrandgefahr abhängig. Grundsätzlich ist das Schlagen von Holz ist untersagt, wenn du dein Holz aber mitbringst, spricht nichts gegen ein Lagerfeuer. Smokey verrät dir gerne, wie du ein gutes Lagerfeuer baust und auch wieder löscht! Denn nur du kannst Waldbrände verhindern ;) 

 

Im National Forest einfach einen Ranger fragen, die helfen gerne. Ein paar grundsätzliche Infos gibt es hier.